Hilfe mein Fußboden stinkt?!

Ein immer wiederkehrendes Phänomen. Obwohl nicht neu ist doch erkennbar, dass durch zunehmende Sensibilisierung die Anzahl der bekannt gewordenen Fälle in den letzten Jahren angestiegen ist. Das hängt nicht etwa damit zusammen, dass unser empfindliches Riechorgan etwa besser geworden ist, sondern liegt eher daran, dass man empfindlicher auf unbekannte Gerüche reagiert als früher.

Gefahr im Verzug

Sollte sich jedoch körperliches Unwohlsein wie Husten, raue Stimme, kratzendes Gefühl im Hals, rote brennende Augen, Hautjucken, Asthma, Übelkeit und Erbrechen einstellen, dann sollten sie diese Hinweise ernst nehmen und einen Fachmann zu Rate ziehen.
Es kann aber auch durchaus allergische Reaktionen geben obwohl man wohlmeinend den alten Kunstfaser Flokati rausgeworfen und gegen einen schönen Schurwollteppich ausgewechselt hat. Die Mottenschutzausrüstung in Naturfaserteppichböden kann in seltenen Fällen bei darauf sensibel reagierenden Menschen eine allergische Reaktion auslösen. Hier weiß der Fachmann aber auch Rat und Abhilfe.

„Hängen sie doch ein paar Duftbäumchen auf…“

Auf einen so einfachen Nenner sollte sich ihr Bodenbelagsfachmann nicht zurückziehen. Mit Raumsprays oder Duftbäumchen werden vorhandene Gerüche nur überlagert. In manchen Fällen kommt es sogar zu einer noch unangenehmeren, weil süßlichen Geruchsmischung. Also eine wirkliche Ursachenforschung ist in diesen wenn, auch recht seltenen Fällen, angeraten.

Mit der Nase auf den Boden

Wenn es aber nun doch aus dem Boden stinkt, sollten sich die Beteiligten auch nicht scheuen, das Gesicht dicht auf den Boden zu bringen. Es ist auch hilfreich, Teilbereiche mit dampfdichter Folie abzukleben, damit hier erst einmal unter der Folie ein Duftstau entsteht, der einem beim Anheben schon klare Signale geben kann.
Wenn sich dann Verdachtsmomente erhärten, ist zu überprüfen, ob in der Materialkette der verwendeten Produkte, die für die Bodenverlegung verwendet wurden, Unverträglichkeiten entstanden sind. Es kann durchaus sein, dass alte Klebstoffsubstanzen, die nicht restlos vorher entfernt oder neutralisiert worden sind, eine Reaktion mit dem neuen Klebstoff, oder ein neuer Klebstoff mit einer alten zwar noch schön festsitzenden aber vom Inhaltsstoff nicht neutralen Spachtelmasse reagieren. In solchen Fällen ist der bodenverlegende Fachmann gefordert, Probenentnahmen der gesamten Konstruktion incl. der anhaftenden bzw. der unter seinen Neuprodukten vorhandenen Ebenen einzuschicken damit hier eine Analyse vorgenommen werden kann.

„Es müffelt“

Wenn sich hier nach neutralen Prüfungen keine näheren Verdachtsmomente ergeben, muss am Objekt weiter analysiert werden, welche neuen Baustoffe im Zuge der Renovierung eingebracht wurden.
Das dies dann nicht mehr alleine dem Bodenleger angelastet werden kann, liegt auf der Hand. Schließlich riechen Farben, Möbel, Verkleidungen, Gardinen, Polstermöbel, Sonnenschutzvorhänge, ja sogar Pflanzen (und Bewohner..?!) auch.
Hier kann durchaus eine Komposition entstehen die sich niemand gewünscht hat.
Die Verpflichtung des Herstellers für Anstriche, Lacke und Möbel keine anorganischen Lösemittel zu verwenden, führt dann auch zu der Möglichkeit dass es schon mal muffig, modrig oder faulig riecht.
Hier ist dann die Zuordnung auf einen einzelnen Verursacher sehr schwer und sollte den Experten für Raumluftanalysen überlassen sein. Dem Verbraucher bleibt als zunächst kostensparende Analytik nur schrittweises Folienabhängen oder Eintüten und immer wieder prüfen.

Alte Bodenbeläge ein „Gefahrgut“?

Nun weiß man heute aber auch, dass in der Vergangenheit oftmals Inhaltsstoffe verwendet wurden, die in der Tat schädlich sind. Aber hier gilt natürlich das Motto „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.“ Es muss sich also erst einmal ein Gefahrenpotential „outen“, damit man es aus dem Verkehr zieht. Bei der berühmt, berüchtigten Chemikalie „Formaldehyd“ war das noch recht einfach, da gerade diese Substanz wie keine andere in der Nase gestochen hat.
Asbesthaltige Produkte dagegen hatten und haben keinerlei Ausdünstungen, werden allerdings in unserer Branche auch in Bezug auf ihre schädigende Wirkung beim Ausbau kritisch. Ob wir in naher oder ferner Zukunft nicht auch weitere Stoffe als bedenklich enttarnen, die heute noch mit gutem Gewissen verbaut werden, dafür kann noch niemand eine Garantie abgeben.

Was ist denn nun, wenn der Geruch nach 4 – 6 Wochen nicht verschwunden ist?

Hier muss man dann schon differenziert an die Sache rangehen und eine schrittweise Analyse vornehmen.
Zunächst einmal ist zu klären, ob die betreffenden Räumlichkeiten überhaupt nach der Neubelegung auch schon genutzt, belüftet, wurden. Es liegt auf der Hand, wenn ein Klassenzimmer zu Beginn der Ferien einen neuen Bodenbelag erhalten hat und nicht genutzt und auch nicht belüftet wurde, dass der Neugeruch noch gar nicht entweichen konnte. Hierbei tritt schließlich auch der Effekt von Emmission und Immission auf. D.h. die Geruchskomponenten, die zwar aus dem Bodenbelag entweichen können, lagern sich zunächst auch in andere Baukörper (Stoffe, Polster, Tapeten, Verkleidungen, Sonnenschutzanlagen etc.) ab, um dann von dort aus zu emittieren.
Dies ist dann mit einer Verteilung der Konzentration aber mit einer gleichzeitigen Verlängerung der Ausdünstungsphase verbunden.
In derartigen Fällen hilft schon kräftiges, aber stoßweises Lüften. D. h. nicht auf Dauer ein Fenster auf Kipp, sondern für 15 Min. alle Fenster richtig auf und einen vollständigen Luftaustausch herbeiführen. Wenn während der Phasen bei, denen die Fenster nicht geöffnet werden können oder aber in der Nacht bzw. im nicht genutzten Zustand noch die Heizung dazugeschaltet werden kann, dann erhöht sich auch der Druck auf die Inhaltsstoffe zu entweichen.

Was denn nun wenn auch das nicht geholfen hat?

Dann kann auch durchaus eine Reaktion mit anderen am Ort vorhandenen oder aus der näheren oder ferneren Umgebung ins Objekt einwirkende Fremdausgasung mit der Neuausgasung entstanden sein. Hier sind Wohnungen in der Nähe von Abluftanlagen besonders gefährdet. Es wurden schon die übelsten Geruchsmerkmale identifiziert, weil aus dem Abluftkamin einer Reinigung eine Vermischung mit einem frisch verlegten Schurwollteppichboden einen üblen Fischgeruch als Cocktail hervorbrachte.
Um hier einen Schritt in der Analyse weiterzukommen, sollten die Fenster in den Verdachtsräumen unbedingt zunächst einmal geschlossen gehalten werden und die Räume einige Tage nicht gelüftet werden. Hier ist dann schon der bodenverlegende Fachmann gefragt, einmal seine Kenntnisse mit einzubringen und eine Geruchswahrnehmung mit dem Benutzer zu teilen. Sollten sich Verdachtsmomente bestätigen, sind Restposten oder Rückstellungsproben oder -zur Not- Teilbereiche auszubauen und sofort in dampfdichte Folientüten einzupacken.
Hier kann man weitere Prüfungen nach bestimmtem Lagerintervall an neutralen Orten mit neutralen Nasen durchführen, oder auch die Produkte an Institute überstellen, die ebenfalls subjektive oder auch wissenschaftliche Untersuchungen vornehmen. Selbstverständlich sollte in dieser Analyse der Hersteller mit einbezogen werden, denn dort laufen in der Regel auch die ersten Erkenntnisse zusammen, wenn sich derartige Fälle wiederholen.

Gehören Bodenbeläge nach der Produktion auf die Wäscheleine?

Sicher könnte man diesen Prozess durch eine Freilufttrocknung verkürzen, ja sogar verhindern, wenn dann nicht andere Einflussfaktoren auf die Ware einwirken würden.
Nun ist auch nach dem ersten Anschnitt noch nicht die Möglichkeit der völligen Ausdünstung geschaffen, da die Bodenbeläge auf Rollen gewickelt oder in Platten gestapelt hier ja erst in den Randbereichen ausdünsten können.
Auch die nun zur Baustelle gelangenden Abschnitte werden wiederum sofort in Folie gewickelt. Es bleibt also keine Zeit zum Lüften. Es kommt erst auf der Baustelle bzw. beim Kunden dazu, dass die Ware ausdünsten kann.
Dies ist durchaus nicht auf Produkte aus chemischen Bausteinen beschränkt. Naturprodukte sind davon genauso, wenn nicht häufiger, betroffen.

Es ist also, wenn man so will, eine wenn auch vorübergehende warentypische Eigenschaft die unvermeidbar ist. Das der Verbraucher sich heutzutage darauf verlassen darf, dass für ihn keine gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffe ausdünsten, muss nicht besonders erwähnt werden wenn man sich Qualitätsprodukten aus namhaften Häusern bedient. Die hohen Produktanforderungen, die an die Hersteller diesbezüglich gestellt werden, müssen eingehalten werden, da es sonst zu ernsthaften Problemen mit unserem Gesetzgeber kommt. Dies kann und möchte sich kein Hersteller leisten.

Es ist nicht alles Gift was stinkt.

Fest steht, nicht jeder von uns wahrnehmbare Geruch ist schädlich und nicht alle „unriechbaren“ Ausgasungen sind unschädlich.
Was ist die Ursache, wenn ein neu verlegter Bodenbelag sich plötzlich als Stinkbombe unangenehm bemerkbar macht.
Neben dem typischen Neugeruch der in der Regel nach ca. 4-6 Wochen verschwindet, kann es auch zu Reaktionen mit anderen Duftstoffen kommen, die bereits am Objekt oder in der unmittelbaren Umgebung vorhanden sind.
Der typische Neugeruch liegt darin begründet, dass die jeweiligen Bodenbelagsprodukte unmittelbar nach der Produktion heute üblicherweise in Folien eingewickelt, dann im Lager bis zum Anschnitt eingestapelt werden. Erst dann wird erstmalig die Folie entfernt und die erste Ausdünstung kann entweichen.

Auf die Nase ist Verlass?

Sicher, aber es ist doch eine subjektive Empfindung. Jeder Mensch empfindet Gerüche unterschiedlich. Während es den einen in der Nähe des weihnachtlichen Kräuterbonbonstandes schüttelt, empfinden andere die Duftmischung als angenehm. Roch früher das neue Auto noch so schön „neu“, ist heute eine Heerschar von wissenschaftlichen Entwicklern dabei, genau diese Ausdünstungen soweit wie möglich zu minimieren. Trotzdem ist das Riechorgan, gegenüber der Wahrnehmung, der chemischen Luftanalyse überlegen. Die Duftstoffe werden über die Riechzellen zum Gehirn geleitet und dort eingeordnet. Diese Klassifizierung hängt im Wesentlichen von der Summe der gemachten Erfahrungen mit diesem Stoff ab.
Sind die Erfahrungen überwiegend positiv, erfolgt die subjektive Einstufung als angenehm. Sind die gemachten Erfahrungen eher negativ, kann eine Einstufung bis zur ekelerregenden Klassifizierung führen. (Wer hat nicht schon einmal in seinem Leben die Güte bzw. die Frische eines Lebensmittels mit Hilfe seines Geruchssinns überprüft?)
Unter Wissenswertes – Punkt Lexikon – finden Sie einige Erläuterungen zu den in unserer Branche üblichen Abkürzungen, mit denen Sie möglicherweise im Zuge einer Bearbeitung zum Thema Geruchsbelästigung konfrontiert werden. Da sind derartige Vorabinformationen sicher hilfreich.
Das wichtigste jedoch in solchen Fällen ist…Ruhe bewahren und sich durch einen ausgewiesenen Fachmann beraten lassen. Die dafür möglichen Beratungskosten sind gut investiert, schont man dadurch doch seine Nerven. Auf der Homepage www.fussbodeninnung.de finden Sie entsprechende Gutachter auch in Ihrer Nähe.